Spiritualität als mögliche Selbstoptimierungsfalle
Es ist nicht nur die weltliche Leistungsgesellschaft, die uns antreibt: Erfolg, Disziplin, Produktivität. Heute sind es oft auch spirituelle Konzepte, die einen subtilen Druck durch Leistungsansprüche erzeugen.
„Hast du deine Schwingung schon erhöht?“
„Hast du deine Glaubenssätze transformiert?“
„Hast du dein Ego losgelassen?“
„Hast du deine Blockaden schon aufgelöst?“
„Bist du schon vollständig in deiner Kraft?“
„Hast du schon die nächste Bewusstseinsebene erreicht?“
Wer noch an irdischen Themen „hängt“, ist noch nicht „so weit“. Wer noch Zweifel hat, ist „noch nicht erwacht“.
Scham, Versagen und Mangelgefühle in der Selbstfindung.
Doch wo ist dann noch der Raum, einfach zu sein?
Es gibt kaum einen Bereich, in dem es heißt: „So wie du bist, bist du genug.“
So wird auch persönliches Wachstum zu einer To-do-Liste, die man abhaken muss. Aber was bleibt, wenn wir immer nur „hinterherhinken“? Ein Leben, das sich anfühlt wie eine permanente Aufholjagd, in der man nie wirklich da ist.
Hier entsteht ein Widerspruch:
Einerseits wird gepredigt, dass man sich selbst annehmen soll.
Andererseits gibt es überall Stimmen, die einem sagen, dass man sich ständig verbessern soll.
Aber kann man sich wirklich annehmen und gleichzeitig optimieren? Oder führt das nicht zwangsläufig zu einer inneren Spaltung?
Wo hast du mal gehört: „So wie du bist, bist du genug. So wie du jetzt bist, bist du genau richtig!“
Wem hast du gesagt oder vermittelt: „So wie du bist, bist du genug. So wie du jetzt bist, bist du genau richtig!“
Das Versprechen der „richtigen“ Technik
Es gibt zahllose Angebote für die Suchenden:
Die eine Methode, die alles heilt.
Der eine Kurs, der dein Bewusstsein auf das nächste Level hebt.
Die eine Lehre, die endlich alle Antworten liefert.
Doch was passiert? Viele hetzen von Workshop zu Workshop, von Meditation zu Meditation – immer auf der Suche nach dem einen Schlüssel. Die Suche bleibt als Selbstzweck und Aktivismus stecken, ohne Substanz zu bilden.
Es gibt keinen Schlüssel da draußen.
Kein Lehrer, kein Channeling, kein Tarot, keine Astrologie, keine Technik kann dir das geben, was du nur in dir selbst finden kannst.
Was wäre, wenn nichts fehlte?
Was wäre, wenn du heute – in diesem Moment – nichts an dir verändern müsstest?
Wenn es keine „nächste Stufe“ gäbe, die du erklimmen musst?
Wenn du dich nicht optimieren müsstest?
Wenn du dich einfach so, wie du jetzt bist, als vollständig anerkennen könntest?
Vielleicht könnte aus diesem entspannten Sein eine ganz natürliche Entwicklung entstehen?
Denn Wachstum ist ein natürlicher Teil des Lebens.
Spiritualität als etwas Natürliches leben
Der Kontakt zur geistigen Welt ist keine „besondere Fähigkeit“, sondern so natürlich wie das Atmen.
Es braucht keine komplizierten Rituale – sondern Bewusstheit.
Es braucht keine Meister – sondern Vertrauen in sich selbst.
Es braucht keine Erlaubnis – nur die Offenheit, sich auf das einzulassen, was immer da ist.
Die geistige Welt spricht. Die Frage ist nicht „Kann ich sie hören?“, sondern „Erlaube ich mir, ihr zu vertrauen?“
Ethische Medien sind zugewandte und lebenskluge Begleiter auf dem Weg. Ihre Aufgabe ist es, punktuell als "Überbrückung" zu dienen, Räume für Erkenntnis zu öffnen, Vertrauen in die eigene Wahrnehmung zu stärken und Orientierung ohne Bevormundung zu geben. Die geistige Welt ist für alle zugänglich – ein gutes Medium hilft Menschen dabei, das Tor dorthin in sich selbst zu entdecken.
Vielleicht ist die wahre Kunst, nicht immer mehr zu werden – sondern lediglich ganz zu sein – einfach weil es so ist ;-)